Unsere Reise nach Gambia
23.2.-6.3.2012
Das letzte Jahr verging wie
im Flug.
Durch das Arbeiten in der
Klinik im vergangenen Jahr wussten wir dieses Jahr schon ungefähr was auf uns
zukommen würde. Auch sind wir in diesem Jahr mit einem guten Gefühl nach Gambia
aufgebrochen, da wir durch viele Firmen wieder dringend benötigte Material- und
Medikamentenspenden in unserem Gepäck mitnehmen durften. Aber die größte Freude
bereitete uns die über das letzte Jahr verteilte Spendenbereitschaft von
unseren Patienten, Freunden und Bekannten. Aber auch uns nicht bekannte
Personen, die durch Zeitungsartikel auf „unser Projekt“ aufmerksam wurden.
Durch diese vielen Menschen
konnten wir der Klinik insgesamt 10.000.- zukommen lassen, 5.000.- wurden
allein durch den Rotary Club Buxtehude gespendet.
Und dann begann unsere
Reise.
Flug SN225 von Brüssel nach
Freetown via Banjul- unser Ziel. Nach einem anstrengenden
Flug wurden wir, zu unserer Freude, wieder von Alasana (unser Fahrer aus dem
letzten Jahr) und der Klinikleitung Beatrice Weigelt herzlich in Empfang
genommen. Die Wiedersehensfreude war auf beiden Seiten groß. Ganz schnell war
das Gefühl da, niemals weggewesen zu sein.
Nach einer kurzen Nacht hieß
es gleich am nächsten Morgen: ab in die Klinik.
An diesem Tag wurden die
mitgebrachten Materialien und Medikamente an die Klinik übergeben, es wurde
eine kurze Inventur der Materialien durchgeführt und es gab einen ersten
Einblick in die laufenden Behandlungen. Danach ging das Klinikleben dann
richtig los.
Nach einer kurzen Einführung
durch den oral health worker Ousman fingen wir mit der Arbeit an. Da sich
bereits herumgesprochen hatte, dass „german doctors“ in der Klinik sind, war
der Patientenandrang groß. Ein wenig Wehmut machte sich nach den ersten
Behandlungstagen bei uns breit, da auch in diesem Jahr 80% der Behandlung
Extraktionen waren und nur 20% der Zähne durch Füllungen gerettet werden
konnten. Um ein wenig dagegen anzukämpfen, bekam jeder Patient von uns nach
beendeter Behandlung eine Zahnbürste & Zahnpasta als kleines Geschenk.
Leider wird diese Zahnbürste bei vielen großen und kleinen Patienten die Erste
und Letzte sein. Danach werden sie wieder auf „Zahnhölzchen- DER gambianischen
Zahnbürste“ herumkauen.
In der Mitte unseres
Aufenthaltes lernten wir einen kleinen gambianischen Jungen kennen. Vier Jahre
alt. Das Kind war ein Noma-Patient (Noma
(auch: gangränöse Stomatitis, Wangenbrand, Wasserkrebs) ist eine schwere bakterielle Erkrankung, die sich
auf der Mundschleimhaut entwickelt und von dort ausgehend andere Weich- und
Kochenteile des Gesichts zerfrisst. Nach Schätzungen der WHO sterben jährlich
zwischen 80.000 und 90.000 Kinder an dieser Krankheit. Wegen der Besonderheit
dieser Krankheit gibt es bis heute keine gesicherten Erhebungen.) Die Wange
des kleinen Jungens hatte ein großes Loch, die Kieferknochen waren durch die
Infektion stark zerstört. Das Kind wurde unter hochdosiertes Antibiotikum
gesetzt, welches die Infektion fürs Erste stoppte. Eine 1 ½ stündige Operation
durch Dr. Henrike Rolf folgte. Nun hat
das Kind die Möglichkeit, nach einer zweiten OP im nächsten Jahr im Rahmen des
FACE Projektes ein normales Leben zu führen. Ohne die OP wäre der kleine Junge
wahrscheinlich noch während unseres Aufenthaltes verstorben.
Die restliche Zeit unseres
Aufenthaltes ging viel zu schnell vorbei. Als es nach 12 Tagen hieß: Ihr Flug
SN 226 Banjul nach Brüssel steht zum Einsteigen bereit- sind wir auch in diesem
Jahr mit gemischten Gefühlen ins Flugzeug in die Heimat eingestiegen. Wir haben
wieder viel gesehen, viel erlebt, konnten trotz zum Teil schwierigen
Verhältnissen vielen großen und kleinen Patienten helfen und haben wieder viel
Freundlichkeit & Herzlichkeit von den Menschen erfahren.
Und schon im Flugzeug war
uns allen klar: wir kommen nächstes Jahr wieder!
Und bis zu unserer nächsten
Reise 2013 haben wir noch jede Menge zu tun und freuen uns über jegliche
Unterstützung.
Abaraka (Danke)
Fo Waati Koteng (Tschüss)
Dr. Martin Christiansen & Dr. Henrike Rolf